Himmlische Botschaften

werden an die gepeinigte Menschheit gesandt:
 
 

Die Botschaft des Lammes: wahllos zu werden

Die himmlischen Maßstäbe als Orientierung

Zwei Propheten, die getötet werden, aber auferstehen







23... 10, 1-11: Der Engel und das kleine Buch
 

(1) Und ich sah einen anderen starken Engel aus dem Himmel herabsteigen, umworfen mit einer Wolke, und auf seinem Kopf der Regenbogen und sein Gesicht wie die Sonne und seine Füße wie Säulen von Feuer; (2) Und in seiner Hand hatte er ein geöffnetes Büchlein. Und er stellte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken aber auf die Erde; (3) und er schrie mit lauter Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und als er schrie, redeten die sieben Donner mit ihren Stimmen. (4) Und als die sieben Donner redeten, wollte ich schreiben, doch ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Versiegle, was die sieben Donner redeten, und schreibe es nicht!

(5) Und der Engel, den ich auf dem Meer stehen sah und auf der Erde, erhob seine rechte Hand in den Himmel. (6) Und er schwor bei dem, der lebt in die Äonen der Äonen, der den Himmel schuf und das in ihm und die Erde und das auf ihr und das Meer und das in ihm, daß Zeit nicht mehr sein wird, (7) denn in den Tagen des siebten Engels, wenn er trompeten wird, ist auch das Geheimnis Gottes erfüllt, wie er es seinen Knechten, den Propheten, verkündet hat.

(8) Und die Stimme, die ich aus dem Himmel hörte, sprach wieder mit mir und sagte: Geh fort, nimm das geöffnete Buch in der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht! (9) Und ich ging weg zu dem Engel und sagte ihm: Gib mir das Büchlein! Und er sagt mir: Nimm und iß es auf! Und es wird deinen Bauch bitter machen, aber in deinem Mund wird es süß sein wie Honig. (10) Und ich empfing das Büchlein aus der Hand des Engels, und ich aß es auf. Und es war in meinem Mund süß wie Honig, und als ich es aß, wurde mein Bauch bitter gemacht.

(11) Und sie sagen mir: Du mußt erneut prophezeihen über Völker und Völkerschaften und Zungen und viele Könige.
 

Die siebte Trompete ist noch nicht ertönt, da sieht Johannes "einen anderen starken Engel herabsteigen".

Das Bild gleicht dem vom Erscheinen des Menschensohnes in der Rede Jesu über das Ende der Welt und es gleicht auch dem Bild vom Menschensohn am Anfang der Vision des Johannes:

Er steigt herab aus dem Himmel, er erscheint in einer Wolke, sein Gesicht ist wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen und den Regenbogen, das Symbol des neuen Lebens, trägt er auf dem Kopf. Die Feuersäulen seiner Füße erinnern an die Feuersäule, die den Israeliten bei ihrem Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten den Weg beleuchtete. Und daß er einen Fuß auf das Meer stellt und einen auf das Land zeigt ihn als den Herrn der Erde. Der "Engel", der hier erscheint, ist der Menschensohn. (1)

Und in der Hand trägt er ein kleines Büchlein, nicht das gewaltige Alte Testament, sondern die einfache frohe Botschaft Jesu, das Evangelium. Und wie Jesus am Kreuz, schreit er mit lauter Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und wie beim Tod Jesu die Erde bebte, so reden jetzt die sieben Donner. Johannes hört, was sie sagen, aber er darf es nicht mitteilen. Es bleibt geheim. (2-4)
 

Und nun schwört der Engel "daß Zeit nicht mehr sein wird, denn in den Tagen des siebten Engels ... ist auch das Geheimnis Gottes erfüllt." Das hat er seinen Propheten von Anfang an mitgeteilt. Das Geheimnis ist so gewaltig, daß nur die Donner es aussprechen können. In menschlicher Sprache kann leicht die Ehrfurcht verlorengehen, deshalb darf Johannes es nicht aufschreiben. Und doch haben die Propheten das für uns Wesentliche am Geheimnis Gottes wahrgenommen und es uns mitgeteilt: "Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild" (Gen 1, 27). Und: "Jetzt sehen wir durch einen Spiegel im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht" (1 Kor 13, 12).

Zuerst ist Gott allein, unerkannt, in sich ruhend und nicht mitgeteilt, und doch ist sein Wesen von Anfang an das aus sich Herausgehen, die sich verschenkende Liebe. Und so ergießt sich aus dem Urbild ein Abbild, ein Gegenüber, das seine Liebe empfangen und seinerseits weitergeben kann. Gott zeugt seinen Sohn von Ewigkeit her. Und indem er sich mitteilt, schafft er die Zweiheit und mit ihr den Raum und die Zeit. Und darin lebt der Sohn zur einen Hälfte, mit der anderen bleibt er mit seinem Erzeuger verbunden. Raum und Zeit aber und ihn ihr die Materie bilden die Basis für den Sohn, von der aus er schließlich den Vater erkennen kann, so daß Gott nicht mehr allein ist und am Ende erkannt wird, indem dann das Abbild sein Urbild sieht - und dabei sieht, daß er selbst es ist, von dem er ausgegangen ist, und daß jetzt keine Zweiheit mehr ist, sondern nur noch eins.

Die Zeugung ist ein Prozeß und der Prozeß schafft die Zeit und durch die Zeit entfernt sich das Abbild vom Urbild. Die Zeit ist der Sündenfall. Gleichzeitig mit der Ablösung vom Urbild aber, mit der Selbständigkeit, beginnt der Prozeß der Selbsterkenntnis Gottes. Indem die Menschen die Nabelschnur durchtrennen erst erhält Gott ein wirkliches Gegenüber. Doch sie vergessen ihre Bedingtheit und beginnen zu glauben, sie könnten sich ihr Glück unabhängig von ihrem Ursprung schaffen. Aber ohne die Verbindung mit ihrem Ursprung müssen sie sich jetzt um alles selber kümmern. Und in dem Trubel dieses Sorgens vergessen sie ihren Ursprung ganz und gar. Und sogar wenn sie Glück haben und sehr viel erreichen - letzten Endes bleibt alles hohl, solange das Wissen um das eigene Wesen fehlt. Aber von Zeit zu Zeit meldet sich eine ganz tiefe Sehnsucht und spricht zu ihnen von einer ganz anderen Welt, nämlich von der Welt, die erscheint, wenn sich ein Mensch an seine göttliche Natur erinnert. Und auch diejenigen, die diese Sehnsucht nicht zu Wort kommen lassen, erfahren, daß es da noch etwas anderes gibt, eine höhere Macht, der sie letzten Endes ausgeliefert sind und die sie töten wird, wenn sie sich nicht besinnen. Sie erfahren das Gericht. Und damit sind wir wieder in der Vision des Johannes, die dieses Gericht beschreibt.

Und an dieser Stelle heißt es, "daß Zeit nicht mehr sein wird", denn wenn der siebte Engel "trompeten wird, ist auch erfüllt das Geheimnis Gottes." Der Prozeß der Selbsterkenntnis Gottes ist abgeschlossen, das Geheimnis Gottes ist erfüllt, das Abbild erkennt seine Relativität. Es erkennt sein Urbild. Und Zeit gibt es da nicht mehr. (6f.)

Und doch heißt das nicht, daß die Schöpfung nun mit einem Schlag rückgängig gemacht wird. Der Prozeß des Gerichts ist ja nicht für alle gleichzeitig an einem bestimmten welthistorischen Datum abgeschlossen, sondern der Schall der siebten Posaune erreicht jeden Menschen separat zu einer gewissen Zeit, eben wenn der Prozeß des Gerichts für diesen Menschen abgeschlossen ist, wenn er zur Besinnung und zum Bewußtsein seiner wahren Natur gekommen ist. Und in diesem Moment löst sich seine physische Existenz auch nicht in Luft auf, und doch hört die Zeit für diesen Menschen in diesem Moment auf. Dieser Moment ist der Moment des Erscheinens des Menschensohns, und jeder Mensch eines jeden Geschlecht erfährt diesen Moment nach Aussage Jesu im Laufes seines Lebens. (Mt 24, 34). Die Buddhisten bezeichnen diesen Moment als den Moment des Eintritts ins Nirvana. Es ist nicht der Moment des physischen Todes, aber der Moment der Verwandlung, der Wiedergeburt. In diesem Augenblick ist der neue Himmel und die neue Erde da, die Johannes später noch sehen wird. Zeit und Schicksal spielen nun keine Rolle mehr. Ein Mensch, der hier angelangt ist, weiß sich jederzeit eins mit dem göttlichen Willen. Er tut nicht mehr, was er will, er läßt sich führen wie ein Lamm. Und so wird er zum Menschensohn, zum wahren Abbild Gottes, und das bleibt er in Ewigkeit. (5-7)
 

"Und die Stimme ... sagte: Geh, nimme das geöffnete Buch in der Hand des Engels ... und iß es auf."

Beim Abschiedsmahl sagt Jesus zu seinen Jüngern: "Nehmt und eßt!" und er gibt ihnen sich selbst zu essen in Gestalt von Brot und Wein, denn indem sie ihn essen, sollen sie in ihn verwandelt werden. Und nun ißt Johannes das Büchlein in der Hand des Engels. Er ißt die göttliche Botschaft. Er muß also selbst zur göttlichen Botschaft werden. Nur dann kann er diese Botschaft so aussenden, daß sie bei allen Menschen aller Zeiten auch ankommt.

Die Botschaft ist süß im Mund und bitter im Bauch. Für den, der sie versteht, ist es eine frohe Botschaft: "Du bist ein Ebenbild Gottes!" Doch sie zu verdauen, ist bitter, so bitter wie das Gericht, denn sie verlangt das sich Lösen von allen Illusionen, von allen Urteilen, von allen Identifikationen, von der Idee der Unabhängigkeit. Sie verlangt ein Sterben, das Sterben des alten "Ich". "Er muß wachsen, ich aber abnehmen" (Joh 3, 30). Dieser Wandel vollzieht sich im Prozeß des Gerichts und er wird erleichtert durch die Süße der frohen Botschaft. (8- 1)
 
 
 
 
 
 

24... 11,1-2: Die Vermessung des Tempels
 

(1) Und ein Rohr wurde mir gegeben als Meßstab und es wurde mir gesagt: 'Steh auf und miß den Tempel Gottes und den Altar und die, die dort beten. (2) Aber den Hof laß weg, den außerhalb des Tempels, und miß ihn nicht, denn er wurde den Völkern überlassen. Und sie werden die heilige Stadt treten zweiundvierzig Monate lang.'
 

Innerhalb seiner Vision soll Johannes nun aktiv werden. Johannes steht hier für die Menschen, die noch auf dem Weg sind. Sie brauchen Maßstäbe, damit sie das Ziel ihres Lebens erreichen können, nämlich daß sie zum Bewußtsein ihrer göttlichen Natur erwachen und daß Gott durch sie sich selbst erkennt. Durch Johannes wird den Menschen gezeigt, von wo sie ihre Maßstäbe beziehen sollen: vom Tempel. An denen, die den Weg bereits gefunden haben, sollen sie sich orientieren und zwar nur an diesen und nicht an der äußeren Welt, auch wenn sie dem Anschein nach mit dem Tempel unmittelbar verbunden ist. (1f.)

Wenn wir hier daran denken, von wo wir unsere Maßstäbe beziehen, können wir verstehen, wozu es diese Ermahnung braucht, sind wir doch ständig in Versuchung, uns an Leuten zu messen, die nicht dem einen wahren Ich, JAHWE, die Ehre geben, sondern sich selbst, also ihrem von Gott abgesonderten "Ich". Aber die gehören zu den "Völkern", denen der äußere Hof des Tempels überlassen ist und die die heilige Stadt Jerusalem dreieinhalb Jahre lang "treten", also entweihen werden. (2)
 
 
 
 
 

25... 11, 3-14: Zwei Propheten in der den Heiden überlassenen heiligen Stadt
 

Die drinnen sind immer nur wenige, die draußen sind die vielen. Die drinnen haben verstanden, worum es geht, und denen draußen sind die drinnen ein Dorn im Auge. Sie sind ihnen ein stetiger Vorwurf, eine lästige Erinnerung daran, daß etwas in ihrem Leben nicht stimmt. Und immer wieder werden welche von drinnen zu denen draußen abgesandt, um sie zur Besinnung zu rufen. Aber die machen mit ihnen, was sie wollen. Die Abgesandten haben Vollmacht, die ganze Natur gehorcht ihnen. Aber alle Zeichen, durch die sie den Völkern zeigen, daß all ihre grandiosen Erfindungen und zivilisatorischen Errungenschaften nichts sind vor dem Einen, prallen von ihnen ab. Und so schickt Gott zuletzt die Creme de la Creme (3-10):
 

(3) Und ich werde meine zwei Zeugen beauftragen und sie werden weissagen in Säcken gekleidet tausendzweihundertsechzig Tage lang. (4) Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. (5) Und wenn einer ihnen schaden will, kommt Feuer aus ihrem Mund heraus und verzehrt ihre Feinde, und wenn einer ihnen schaden will, so muß er getötet werden.

(6) Diese haben die Vollmacht, den Himmel zu verschließen, damit während der Tage ihrer Prophezeihung kein Regen fällt. Und sie haben Vollmacht über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln und die Erde zu schlagen mit jeder Art von Plage, sooft sie wollen.
 

Zweiundvierzig Monate oder tausendzweihundertsechzig Tage lang blieb der Himmel verschlossen in den Tagen des Propheten Elias. Kein Regen fiel dreieinhalb Jahre lang, wie Elia es prophezeiht hatte, zum Beweis gegen Ahab, den König der Israeliten, und dessen ausländischer Frau Isebel, die das auserwählte Volk zum Baalskult verführt hatte (1 Kön 16, 29 - 18, 46).

Elia war es auch, aus dessen Mund Feuer kam und die Truppen verzehrte, die der König Ahab ausgesandt hatte, um ihn zu töten. Und auch die Propheten des Baal, die im Auftrag des Königs Ahab am Berg Karmel zu dem Gottesurteil gegen Elia angetreten waren, unterlagen und sie mußten sterben (1 Kön 18, 1 - 46). (5f.)

Der zweite von den beiden Propheten, die ausgesandt wurden in die heilige Stadt, war Mose. Er hat das Wasser in Blut verwandelt und er hat die zehn Plagen herbeigerufen, um den Pharao zu zwingen, die Israeliten ziehen zu lassen (Ex 4, 9; 7 - 11). (6)

Diese beiden Propheten sind die Zierde des Herrn der Erde. Sie sind die beiden Ölbäume und die beiden Leuchter, die vor seinem Thron stehen. Und der Herr der Erde ist der Menschensohn, das Ebenbild Gottes. (4)

Die heilige Stadt, die den Heiden überlassen ist, das sind wir. Zu uns werden die beiden Propheten geschickt. Sie haben die Macht uns mit allen möglichen Plagen zu schlagen. Und wie der ägyptische Pharao und der König Ahab hören auch wir nicht. Deshalb haben sie die Macht, den Himmel zu verschließen dreieinhalb Jahre lang. Und am Ende werden sie die Propheten des Baal in uns im Wettstreit besiegen. Alle Beweise sind da, aber wenn wir "das Weib Jezabel weiter gewähren lassen" (2, 20), wenn wir hartnäckig an unseren eigenen Vorstellungen festhalten, ist das bittere Ende unvermeidlich (1 Kön 18, 40).

Die beiden Propheten kommen nicht von außen zu uns, sie sind bereits in uns, sie sind ein Teil unserer Natur: Unser innerstes Wesen ist ja der Herr der Erde. Und er will nichts als unser Heil. Und so stehen vor ihm die Symbole des Heils, zwei Ölbäume, die gleichzeitig zwei Leuchter sind: Wie Ölbäume die Quelle jener Substanz sind, die alle Wunden heilt, so sind die Leuchter die Basis des Lichts. Etwas anderes in uns jedoch will nichts zu tun haben mit dem Herrn der Erde. Dieser Teil hat seine eigenen Vorstellungen darüber, was gut ist und was schlecht. Dieser Teil verehrt Güter, Macht und Erfolg und deren Symbol, den Baal. Der Herr der Erde schickt seine Propheten zu uns, um uns zu zeigen, wer hier der Herr ist, aber wir sind fest identifiziert mit unseren Vorstellungen. Und deshalb wendet sich die Macht, die zu unserem Heil da ist, symbolisiert durch Öl und Licht, nun gegen uns und sie schneidet uns ab von der Quelle des Lebens, um uns zur Besinnung zu bringen. Aber trotz der eindeutigen Zeichen hören wir immer noch nicht, im Gegenteil, wir bekämpfen die Propheten des Herrn der Erde, wir verbünden uns mit den Mächten des Abgrunds und bringen die Propheten zum Verstummen (7-10):
 

(7) Und wenn sie ihr Zeugnis erfüllt haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen machen und es wird sie besiegen und sie töten. (8) Und ihre Leichen bleiben liegen auf der Straße der großen Stadt - sie wird, geistlich verstanden, 'Sodom' und 'Ägypten' genannt - wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.

(9) Und Menschen aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Erdteilen sehen ihre Leichen dreieinhalb Tage lang, und sie lassen nicht zu, daß ihre Leichen in ein Grab gelegt werden. (10) Und die Bewohner der Erde freuen sich über sie, und aus Freude schicken sie sich gegenseitig Geschenke, weil diese zwei Propheten die Bewohner der Erde gequält haben.
 

"Das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt", ist der Wille zur Trennung, zur Ablösung von Gott, zur Eigenständigkeit. Diese Wegbewegung führt zum Untergang - und doch hat sie große Macht. (7)

Seine Macht beruht im Grund auf dem göttlichen Wunsch nach

Selbsterkenntnis. Aus diesem Wunsch heraus entsprang Gott sein Gegenüber, sein Ebenbild, der Mensch. Und auf dessen Weg zur Bewußtheit ist die Ablösung vom Urbild ein notwendiger Schritt. Letztlich ist es daher eine göttliche Kraft, die da aus dem Abgrund emporsteigt und mit den Propheten kämpft. Das Tier ist die Kehrseite der Hingabe, der Selbstentäußerung Gottes. Es (ver)führt den Menschen in die äußerste Entfernung, in die Gottverlassenheit, an den Ort äußerster Finsternis, an dem es nur noch Heulen und Zähneknirschen gibt.

Von der Seite des Menschen her gesehen ist das Tier der Trotz, der trotz aller Beweise gegen sein eigenes Heil kämpft und der in Todesverachtung die Zeugen des Lebendigen tötet und der über sie triumphiert, wohl wissend, daß ihr Tod ihn selbst zur Erfahrung äußerster Heillosigkeit führt. Es ist eine Art Zwang, der jede Hilfe ablehnt, eine Schuldzuweisung an Gott, der ihn in diese Lage gebracht hat - "der ihn hineingeworfen hat in die Existenz, ohne ihn zu fragen". Der Mensch ist beleidigt und er wird es Gott zeigen, daß er auf ihn nicht angewiesen ist. Er wird jeden Versuch der Heimholung entrüstet von sich weisen und beweisen, daß er recht hat. Hämisch wird er gegen die Liebe kämpfen und für seine Vorstellung vom Guten, die reine, abstrakte Lust. Sodom ist das Symbol dafür. Und er wird seine Lust haben und jeden Hinweis darauf, daß es das nicht ist, wird er in Energie umwandeln, um seine Abwendung von Gott noch weiter zu treiben. Das ist das Tier in uns. (7.10)

Von seiner Perspektive aus ist das Heilsangebot eine Qual. Und so werden die, die es übermitteln, getötet. Und sie werden nicht begraben, sondern demonstrativ liegengelassen. Man braucht den sichtbaren Beweis des Sieges, man will den Triumpf. (9f.)

Und in der Stadt dieser Menschen wird schließlich der Herr der Erde gekreuzigt. Wie es in Sodom geschehen ist und dann in Ägypten, so am Ende sogar in der heiligen Stadt, in Jerusalem. (8)

Das Tier triumphiert - aber nicht lange:
 

(11) Und nach den drei Tagen und einem halben ging der Geist des Lebens aus Gott in sie hinein, und sie stellten sich auf ihre Füße. Und eine große Angst fiel auf die, die sie sahen. (12) Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: Steigt herauf hierher! Und in der Wolke stiegen sie in den Himmel hinauf, und ihre Feinde sahen sie."
 

Elia ist in den Himmel aufgefahren ohne zu sterben, das Grab von Mose ist unbekannt und Jesus ist am dritten Tag auferstanden und sein Grab war leer. (12)

Die dreieinhalb Tage entsprechen den dreieinhalb Jahren vorher. Dreieinhalb sind die Hälfte von sieben, dem vollständigen Zyklus, dessen Urform die sieben "Tage" der Schöpfung sind. Die Propheten haben also zwei mal dreieinhalb hinter sich gebracht, also einen vollständigen Zyklus und am achten (Tag) kommt von Gott her das neue Leben, so wie auch Jesus am achten, bzw. am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Die Arithmetik der Bibel hat natürlich keine mathematische Bedeutung, sondern es geht um die Symbolik der Rhythmen. (11)

Für eine gewisse Zeit, so wird gesagt, läßt sich die Wahrheit ausschalten, dann aber meldet sie sich unwiderruflich zu Wort. Die Menschen, die glauben, sie könnten die Wahrheit vertuschen oder besiegen, werden eines Tages immer entsetzt feststellen, daß sie sich geirrt haben, so auch die korrupten Bewohner der heiligen Stadt. (11)

Nocheinmal: die heilige Stadt, von der Johannes spricht, ist nicht eine historische Stadt, das Geschichtliche ist nur ein Beispiel für uns jetzt. Die heilige Stadt, das ist letztlich unser Körper, unser Organismus, der "Tempel des Heiligen Geistes" (1 Kor 6, 19). Und auch die beiden Propheten sind in uns und sie versuchen ständig, uns Licht und Heilung zu bringen. Sie sprechen zu uns in der universellen Sprache von Glück und Unglück, Zufriedenheit oder Unzufriedenheit. Sie tun alles, um gehört zu werden - und wenn wir (oder bei Kindern die Eltern) etwas schwerhörig sind, auch durch Krankheiten oder andere Warnungen, eben durch "Plagen". (2.5f.)

Und wir glauben, wir könnten sie zum Schweigen bringen, indem wir gegen diese Plagen kämpfen - anstatt ihre Botschaft zu hören! Und vielleicht bringen wir sie wirklich zum Verstummen. Und dann beglückwünschen wir uns und zeigen unseren Erfolg herum. Aber unsere Freude ist nur kurz, denn nach einer Weile kommt neuer Lebensgeist in sie. Zum Schrecken aller, die es sehen, stellen sie sich auf ihre Füße. Und wie immer, wenn Menschen Kontakt haben mit dem Göttlichen, hören sie "eine Stimme vom Himmel". Und diese Stimme führt die Propheten zurück in den Himmel, von dem sie ursprünglich gekommen sind. Und sie steigen "hinauf" "in der Wolke". Auch Jesus ist in einer Wolke verschwunden und in einer Wolke kommt der Menschensohn wieder. Für einen Moment war auch für ihre Feinde klar, was die Propheten wirklich sind, dann verschwinden sie wieder im Unklaren. (10.12)

Aber dieser Moment genügt:
 
 

(13) Und in jener Stunde entstand ein großes Erdbeben, und ein Zehntel der Stadt fiel. Und in dem Erdbeben wurden die Namen von siebentausend Menschen ausgelöscht. Und die übrigen gerieten in Furcht und gaben dem Gott des Himmels die Ehre.

(14) Das zweite Wehe ging vorbei; sieh, das dritte Wehe kommt schnell!
 

In dem Moment, in dem den Menschen, die die Propheten beseitigt haben, klar wird, was sie gemacht haben, wird ihre Welt erschüttert. Ein Zehntel derer, die diesen Schock erleben, überleben ihn nicht. Die Übrigen aber erfaßt die Gottesfurcht und sie geben ihrem Urheber die Ehre zurück, die sie vorher sich selbst zugeschrieben hatten. (13)

Und für diejenigen, die bis jetzt unbelehrbar geblieben sind, folgen nun weitere unüberhörbare Hinweise. (14)
 
 
 

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Zur Vorbemerkung
Zum Beginn des Kommentars: Der Mensch, der sehen kann, was es mit dem menschlichen Leben auf sich hat (1-6)
Zu den Adressaten des Sehers:
Die Menschen, an die er sich wenden kann, bei denen eine Aussicht besteht, daß sie seine Botschaft hören (7-13)
Zu: Gewisse Menschen haben eine vollkommene Einsicht in das Wesen des Lebens (14)
Zu: Die meisten Menschen begreifen das Leben nicht; sie finden nur falsche Antworten (15)
Zu: Die ersten sechs Geheimnisse des Lebens (16)
Zu: Die Besiegelung derer, die sich besinnen (17-18)
Zu: Das siebte Siegel: Zunächst Stille, die Ruhe vor dem Sturm (19)
Zu: Sie ersten sechs "Trompeten" (Warnrufe) (20-22)
Zu: Die siebte Trompete: Gottes Herrschaft ist wiederhergestellt (26)
Zu: Die Frau und der Drache (27-29)
Zu: Die spektakulären, aber illusionären Phänomene des Ego verführen die meisten (30-32)
Zu: Die Wahrheit zeigt sich (33-42)
Zu: Eine Zeit der Harmonie, die Wiederkehr des Ego und seine erneute Zerstörung (43-44)
Zu: Angesichts des Todes zeigt sich die Wirklichkeit (45)
Zu: Das Leben nach der Vernichtung des Ego (46-48)
Zu: Das eben Beschriebene wird in Kürze geschehen (49)

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